Verschleiß und Spinalkanalstenose

Aus der Praxis

Gertrud F. ist eigentlich noch sehr fit für ihre 78 Jahre. Besonders gern kümmert sie sich um ihre drei Enkelkinder. Rückenschmerzen hat sie schon seit Jahren, aber die hat sie bisher nicht weiter beachtet. Leider fällt ihr seit einigen Monaten jedoch das Gehen immer schwerer. Wenn sie mit den Enkeln zum Spielplatz unterwegs ist, bekommt sie mittlerweile starke Schmerzen in beiden Beinen. Die Schmerzen sind so schlimm, dass sie sich auf halber Strecke auf eine Bank setzen muss. Erst nach einer kurzen Pause kann sie dann den Rest des Weges zurücklegen. Gertrud F. ist darüber sehr unglücklich, denn sie möchte weiterhin aktiv bleiben. Ihr Hausarzt hat sie nun zur weiteren Abklärung zu einer Neurochirurgin überwiesen. Diese diagnostiziert bei Gertrud F. eine Spinalkanalstenose.

Ursachen und Diagnose

Was ist eine Spinalkanalstenose und wie entsteht sie?
Eine Spinalkanalstenose ist eine Verengung des Wirbelkanals. Durch Veränderungen an den Wirbelkörpern, Bändern und Bandscheiben verkleinert sich der Durchmesser des Wirbelkanals. Dadurch wird das im Wirbelkanal liegende Rückenmark zusammengedrückt, was zu charakteristischen Beschwerden führt.

Damit sich eine Spinalkanalstenose entwickeln kann, kommen meist mehrere Faktoren zusammen. Der alterungsbedingte Verschleiß von Bandscheiben und Wirbelköpern spielt dabei die größte Rolle. Auch Fehlbildungen der Wirbelsäule, bestimmte erbliche Erkrankungen oder Operationen können zur Entwicklung einer Spinalkanalstenose führen.

Wie äußern sich der Verschleiß der Wirbelsäule und die Spinalkanalstenose?
Degenerative Veränderungen (Verschleiß) der Wirbelsäule entwickeln sich über einen längeren Zeitraum hinweg und machen sich durch Schmerzen und Bewegungseinschränkungen bemerkbar.

Bei der Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule treten die Schmerzen typischerweise beim Gehen auf und strahlen in die Beine aus. Hinzu können Kribbeln, Taubheitsgefühle und Schwächegefühl im Bereich der Beine kommen. Betroffene müssen sich dann hinsetzen, den Oberkörper leicht nach vorn beugen und sich mit den Händen abstützen. Auf diese Weise entsteht etwas mehr Platz im Wirbelkanal und die Beschwerden lassen nach.

Schreitet die Spinalkanalstenose fort, können Lähmungen im Bereich der Beine und im Extremfall (selten) ein Querschnittssyndrom entstehen.

Auch im Bereich der Halswirbelsäule kann eine Spinalkanalstenose auftreten. Typisch dafür sind Nackenschmerzen, die in die Arme ausstrahlen.

Wie wird die Diagnose gestellt?
Meist weisen schon die geschilderten typischen Symptome auf eine Spinalkanalstenose hin. In der körperlichen Untersuchung lassen sich die Beschwerden durch ein Zurücklehnen des Oberkörpers provozieren – beim Vorbeugen bessern sie sich jedoch.

Klarheit verschaffen bildgebende Verfahren. Hier wird vor allem die Kernspintomographie (MRT) eingesetzt. Ist dies nicht möglich, lässt sich die Spinalkanalstenose auch im CT nachweisen.

Therapie von Verschleiß und Spinalkanalstenose

Wann muss operiert werden?
Eine Operation ist erforderlich, wenn Lähmungen oder Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang auftreten. Außerdem sollte eine Operation erwogen werden, wenn die Schmerzen sich trotz Ausschöpfen nicht-operativer Maßnahmen nicht hinreichend bessern lassen.

Wie sieht eine Behandlung ohne Operation aus?
In den meisten Fällen können die Beschwerden, die durch Verschleiß und auch durch eine Spinalkanalstenose entstehen, ohne Operation behandelt werden. Dabei sind multimodale Therapien, die mehrere Behandlungsverfahren effektiv kombinieren, besonders erfolgversprechend.

Wichtiges Ziel der Krankengymnastik ist es, die Rücken- und Bauchmuskulatur zu kräftigen. Dadurch wird der Rücken stabilisiert und die Wirbelsäule entlastet. Eine medikamentöse Schmerztherapie kann zusätzlich eingesetzt werden. Gezielte Infiltrationen im Bereich der Wirbelsäule können zusätzlich helfen.

Betroffene sollten in Rücksprache mit ihrem Arzt auch selbst aktiv werden: Bestimmte Übungen können sie nach Anleitung regelmäßig zu Hause durchführen. Auch psychologische Strategien der Schmerzbewältigung sind hilfreich.

Wie es bei Gertrud F. weitergeht

Die Neurochirurgin hat bei Gertrud F. eine verschleißbedingte Spinalkanalstenose diagnostiziert. Eine Operation ist momentan nicht erforderlich. Geplant ist bei Gertrud F. hingegen ein intensives multimodales Behandlungsprogramm mit Spritzen, Physio- und Ergotherapie. Gertrud F. ist sehr motiviert, denn sie hat ein klares Ziel vor Augen: Sie möchte noch lange Freude an gemeinsamen Aktivitäten mit ihren Enkelkindern haben!

 
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