Verhaltensmedizin

Wer an einer chronischen Erkrankung leidet, kann selbst viel für seine Gesundheit und Lebensqualität tun. Wie dies auch Ihnen gelingen kann, erfahren Sie im Rahmen der Verhaltensmedizin.

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Der Begriff „Verhaltensmedizin“ macht bereits deutlich, dass diese Wissenschaft sich mit den Zusammenhängen zwischen menschlichem Verhalten und Gesundheit bzw. Krankheit beschäftigt. Ziel der Verhaltensmedizin ist es, Zusammenhänge zwischen psychischen, sozialen und Verhaltensfaktoren einerseits und körperlichem Wohlbefinden bzw. Beschwerden andererseits zu erforschen. Ebenso wichtig ist es jedoch, diese Erkenntnisse im Rahmen der Vorbeugung, Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation von Krankheiten einzusetzen. Verhaltensmedizinische Therapieansätze können Patienten zum Beispiel helfen, krankmachende Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen und abzulegen. Gleichzeitig können neue Denk- und Verhaltensweisen erlernt und trainiert werden, die dem Patienten helfen, besser mit körperlichen Beschwerden umzugehen und dem Auftreten bestimmter Krankheiten gezielt vorzubeugen.
Jedem ist bekannt, dass bestimmte Krankheiten durch psychische Belastungen oder Stresssituationen hervorgerufen oder begünstigt werden können. Typische Beispiele sind der stressgeplagte Manager, der an einem Magengeschwür erkrankt, oder die Asthmapatientin, die immer dann einen Anfall erleidet, wenn sie sich mit ihrem Mann streitet. Viele Menschen wissen jedoch nicht, dass auch viele andere Erkrankungen durch psychologische Faktoren (mit)beeinflusst werden. Chronische Schmerzzustände, z. B. Rücken- oder Kopfschmerzen, können durch seelische Faktoren hervorgerufen oder verschlimmert werden. Andererseits kann das Erlernen von geeigneten Denk- und Verhaltensweisen Patienten helfen, besser mit ihren Beschwerden zu leben und sie als weniger belastend zu empfinden. Die Verhaltensmedizin befasst sich nicht nur mit „typisch psychosomatischen“ Krankheiten, sondern hat auch das Ziel, Patienten bei der Bewältigung von chronischen, primär körperlichen Krankheiten zu unterstützen.
Ein wichtiger Ansatzpunkt ist das Erlernen von Methoden zur besseren Stressbewältigung. Jeder Mensch erlebt Stress, sei es im beruflichen oder im privaten Bereich. Viele Menschen empfinden körperliche Beschwerden unter Stress als besonders stark oder klagen in psychisch belastenden Situationen über körperliche Symptome, die sonst nicht auftreten. Diesen Patienten hilft es, Wege der effektiven Stressbewältigung zu erlernen. Eine Möglichkeit ist das Einüben von Entspannungsverfahren (z. B. Progressive Muskelrelaxation). Im Rahmen der kognitiven Verhaltenstherapie, in der krankheitsverstärkende Denk- und Verhaltensweisen aufgedeckt werden, können in Zusammenarbeit mit einem psychotherapeutisch erfahrenen Arzt oder Psychologen neue, gesundheitsfördernde Verhaltensweisen erarbeitet und trainiert werden. Auch Patienten, die unter langanhaltenden und medizinisch nur schwer behandelbaren Schmerzzuständen, häufig verbunden mit depressiven Verstimmungen, leiden, profitieren von der kognitiven Verhaltenstherapie. Patienten, die an einer chronischen Erkrankung wie etwa der rheumatoiden Arthritis leiden, können im Rahmen der Verhaltensmedizin lernen, besser mit ihrer Krankheit umzugehen.