Naturheilverfahren

Bei verschiedenen orthopädischen und rheumatischen Erkrankungen können Naturheilverfahren eine sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin darstellen.

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In Deutschland wird heute überwiegend Schulmedizin praktiziert, basierend auf der „Zellularpathologie“ nach Virchow (1821-1902). Krankheit wird dabei als ausschließlich organmedizinisch fassbare, pathologische Veränderung der Zellen eines Körpergewebes verstanden. Naturheilkunde definiert sich hingegen als ganzheitliche Behandlungsmethode, in der neben den Wirkkräften von Heilpflanzen, Licht und Luft, Wasser und Erde, Wärme und Kälte, Bewegung und Ruhe, Ernährung und Nahrungsenthaltung auch seelische sowie soziokulturelle Einflüsse berücksichtigt werden.
Naturheilkunde wirkt über die 5 klassischen Naturheilverfahren:
1. Phytotherapie
2. Ernährungstherapie
3. Balneophysikalische Therapie
4. Bewegungstherapie
5. Ordnungstherapie
anregend, kräftigend, regulierend, erhaltend und schützend auf die Selbstregulations-, Selbstordnungs- und Selbstheilungskräfte des menschlichen Organismus.
Schon vor Urzeiten wurden natürliche Heilmittel eingesetzt. Wir kennen beispielsweise griechisch-römische Tempelanlagen mit Heilquellen und Bädern oder Schlafhäuser (Dormitorien) der Asklepier. Im Mittelalter beschränkten sich Naturheilverfahren vorwiegend auf die Ausleitung krankhafter Körperflüssigkeiten durch Aderlass („Säftelehre“ nach Hippokrates). In den späteren Jahrhunderten war Naturheilkunde vorwiegend als Kloster- und Kräutermedizin mit Namen wie Hildegard von Bingen (ca. 1098-1179) oder Paracelsus (1493-1541) verbunden. In Deutschland erlebte naturheilkundliche Medizin eine Renaissance ab Ende des 18. Jahrhunderts z. B. durch Samuel Hahnemann (1755-1843), dem Begründer der Homöopathie, und durch Sebastian Kneipp (1821-1897).
• Akute und chronische Erkrankungen des Bewegungsapparates, z. B. Zerrung/Stauchung, Arthrose (Gelenkverschleiß)
• Osteoporose (Knochenschwund)
• Schmerzhafte Verspannungen in allen Wirbelsäulenabschnitten
• Stress- und Schmerzzustände bei psychosomatischen Erkrankungen wie Fibromyalgie oder somatisierter Depression
• Nervenreizungen (z. B. Ischialgie) oder Pseudoradikulärsyndrome
• Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises
• Schmerzen, bei denen für schulmedizinische Therapieverfahren Kontraindikationen bestehen
1. Phytotherapie
Phytotherapeutika sind Heilpflanzen, die in unterschiedlicher Darreichungsform zum Einsatz kommen, z. B. Teufelskralle in Tablettenform, Lokalinfiltrationen mit Komplexhomöopathika, Arnikasalben, Brennesseltee, Kamillebäder, Retterspitzeinreibungen sowie Ingwer und Weißkohl für Auflagen und Wickel.

2. Ernährungstherapie
Ernährungsberatung, bedarfsweise Erstellen eines Diätplanes und Gewichtsreduktion auf Grundlage der Regeln und des Ernährungskreises der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)

3. Balneophysikalische Therapie
Anwendung passiver Heilmittel wie der schmerzlindernden oder stimulierenden Elektrotherapie (Reizstrom). Ausleitung körpereigener Giftstoffe („Schlacken“) z. B. durch klassische bzw. Schröpfkopfmassagen, blutiges Schröpfen, Blutegel oder Cantharidenpflaster. Lösung schmerzhafter Verspannungen, Durchblutungsförderung, reaktive Beeinflussung der inneren Organfunktionen, Stärkung von Selbstheilungskräften, Regenerationsfähigkeit und Stärkung des Immunsystems mit Kneippschen Therapien wie Ingwerwickeln, Senfmehlfußbädern oder Moorpackungen. Beinwell- oder Heusackauflagen, Quarkwickel, an- und absteigende Armbäder, Kniegüsse, Saunabaden o.a. können Sie auch selbstständig zu Hause durchführen. Als weitere Therapiealternativen bieten wir Ihnen Magnetfeld- (MFT), und Stoßwellentherapie (ESWT ) und zur Harmonisierung der Körperenergien TCM-Akupunktur an.

4. Bewegungstherapie
Zur allgemeinen Muskelstabilisierung und –kräftigung ist aktive Physiotherapie unumgänglich. Die aktuelle Studienlage zeigt die größte Effektivität für MTT (Medizinische Trainingstherapie) bzw. gerätegestützte Krankengymnastik, die z. B. als Rehabilitationssport/Funktionstraining angeboten wird. Körperwahrnehmung und –gefühl lasen sich begleitend durch fernöstliche Therapien wie Qi-Gong, Tai-Chi oder Ayurveda-Medizin verbessern.

5. Ordnungstherapie
Darunter versteht man psychologische Verfahren, die helfen können, eine gesunde Lebensordnung wiederherzustellen. Das Erlernen von Entspannungsverfahren (Progressive Muskelrelaxation, autogenes Training, Hypnose) und Schmerzbewältigungstrategien trägt zur Linderung von Beschwerden und zum besseren Umgang mit alltäglichen und weniger alltäglichen Belastungen des Lebens (Stressmanagement) bei.