Osteoporose

Osteoporose ist eine Volkskrankheit, die vor allem – aber nicht ausschließlich –ältere Menschen betrifft. Häufig macht sie sich erst durch Komplikationen wie Knochenbrüche bemerkbar. Doch es gibt Möglichkeiten, der Osteoporose vorzubeugen, sie frühzeitig zu diagnostizieren und effektiv zu behandeln.

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Die Osteoporose – im Volksmund auch als „Knochenschwund“ bezeichnet – ist eine systemische Skeletterkrankung, die durch eine niedrige Knochenmasse und eine Verschlechterung der Knochenstruktur gekennzeichnet ist. Das Hauptproblem bei der Osteoporose ist die Neigung zu Knochenbrüchen (Frakturen), die schon bei banalen Stürzen oder bei alltäglichen Tätigkeiten (Heben und Tragen) auftreten können. Besonders häufig sind Wirbelkörper, der hüftgelenksnahe Oberschenkel (Schenkelhals), der Unterarm, der Oberarm und das Becken betroffen. Sind bereits eine oder mehrere Frakturen infolge der Osteoporose aufgetreten, spricht man von manifester Osteoporose. Osteoporotische Frakturen führen häufig zu einer starken Einschränkung der Lebensqualität und der Selbstständigkeit der Betroffenen. Bevor Knochenbrüche auftreten, verursacht die Osteoporose keine Symptome.

Osteoporose betrifft besonders häufig Frauen nach der Menopause – nach einer neueren Erhebung liegt bei 24% aller über 50jährigen Frauen eine Osteoporose vor (bei Männern sind es 6%). Mit steigendem Alter steigt auch die Häufigkeit der Osteoporose an. Einer Hochrechnung zufolge gab es 2009 6,3 Mio. Osteoporose-Betroffene in Deutschland.

In 95% der Fälle handelt es sich um eine sog. primäre Osteoporose, das heißt die Osteoporose tritt nicht als Folge einer anderen Erkrankung auf.

In den 5 % der Fälle, in denen die Osteoporose sekundär auftritt, spielen als Ursache häufig eine länger andauernde Cortisontherapie, hormonelle oder Stoffwechselerkrankungen eine Rolle.

Das Knochenbruchrisiko ist ausschlaggebend für die Entscheidung, ob Abklärungsuntersuchungen und ggf. eine Behandlung erfolgen sollten.

Bei Frauen über 70 und Männern über 80 Jahre besteht generell ein hohes Osteoporose- und somit Frakturrisiko. Bei ihnen sollten also grundsätzlich Basisuntersuchungen durchgeführt werden.

Auch bei Frauen zwischen 60 und 70 sowie Männern zwischen 70 und 80 Jahren, bei denen weitere Risikofaktoren für Knochenbrüche bestehen, sollten diese Untersuchungen erfolgen. Zu den Risikofaktoren zählen u.a.: Untergewicht, Nikotinkonsum, Immobilität, stattgehabter Bruch von Arm, Fuß, Bein, Rippen oder Becken, wiederholte Stürze.

Unabhängig vom Alter sollten Frauen und Männer untersucht werden, die sich im Rahmen einer alltäglichen Situation bereits einen oder mehrere Wirbelkörper gebrochen haben.

Außerdem ist eine Osteoporose-Diagnostik erforderlich bei Menschen mit bestimmten Erkrankungen oder bestimmten Medikationen, z. B. bei Patienten, die über einen längeren Zeitraum in hoher Dosierung cortisonartige Medikamente einnehmen müssen (ggf. auch schon bei niedriger Dosierung) oder die unter einer Überfunktion der Nebennierenrinde leiden.

Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten!

Wie bei anderen Erkrankungen auch, wird Ihr Arzt Sie zunächst nach Ihren Beschwerden fragen und Sie dann gründlich körperlich untersuchen. Besonders wird auf bestehende Risikofaktoren wie Rauchen, Medikamenteneinnahme, Immobilität und Sturzneigung eingegangen. Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule oder anderer Skelettabschnitte können Hinweise auf bereits stattgehabte Frakturen sein und Anlass zur Anfertigung von Röntgenaufnahmen geben.

Bei der körperlichen Untersuchung werden neben Schmerzen und funktionellen Einschränkungen auch Muskelkraft und Koordination untersucht.

Die technische Standarduntersuchung zum Nachweis einer Osteoporose ist die Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) mittels der „Dual-X-Ray-Absorptiometrie“ (DXA) an der Lendenwirbelsäule und am hüftgelenksnahen Oberschenkelknochen. Diese dauert nur wenige Minuten. Das Ergebnis wird in Form eines T-Wertes, der die Abweichung von der Norm beschreibt, angegeben.

Ergeben die Vorgeschichte und/oder die körperliche Untersuchung den Verdacht auf Wirbelkörperbrüche, werden Röntgenaufnahmen angefertigt.

Bei einigen Patienten werden auch Laboruntersuchungen durchgeführt. Diese werden u.a. durchgeführt, um eine sekundäre Osteoporose (d.h. eine Osteoporose als Folge einer anderen Grunderkrankung) auszuschließen oder zu bestätigen oder um die Osteoporose gegenüber anderen Skeletterkrankungen abzugrenzen.

Ausreichende Zufuhr von Kalzium mit der Nahrung

Nur wenn mit der Nahrung keine ausreichende Kalziummenge aufgenommen wird (der Tagesbedarf liegt bei ca. 1000 mg), sollten in Rücksprache mit dem Arzt Kalziumpräparate eingenommen werden. Werden täglich mehr als 1500 mg Kalzium (über die Ernährung und Kalziumpräparate) aufgenommen, kann dies vor allem bei Patienten mit Nierenfunktionseinschränkungen u. U. schädlich sein. Übrigens: Neben Milchprodukten enthalten auch grünes Gemüse und Kräuter reichlich Kalzium.

Vermeidung eines Vitamin-D3-Mangels

Vitamin D3 wird im Allgemeinen nicht in ausreichender Menge über die Nahrung aufgenommen. Es wird jedoch vom Körper unter Einwirkung von UV-B-Strahlen aus einer Vorstufe selbst gebildet. Eine mindestens 30-minütige tägliche Sonnenlichtexposition von Gesicht und Armen reicht normalerweise aus, um einem schweren Vitamin-D-Mangel vorzubeugen. Insbesondere im Winter und bei Menschen, die sich wenig im Freien aufhalten, reicht die körpereigenen Produktion aber häufig nicht aus. In diesen Fällen ist die Einnahme von Vitamin D in Tablettenform empfehlenswert. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt dazu beraten!

Regelmäßige körperliche Aktivität, um Muskelkraft und Koordination zu fördern

Abklärung von Stürzen, ggf. Therapie von behandelbaren Sturzursachen, ggf. Einsatz von Hilfsmitteln

Verzicht auf Nikotin

Vermeidung von Untergewicht

Überprüfung von Notwendigkeit und Dosis sturz- bzw. osteoporose-begünstigender Medikamente

Zur Behandlung der Osteoporose gibt es verschiedene Medikamente, deren Wirksamkeit in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden konnten. Falls bei Ihnen eine Osteoporose vorliegt, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, ob eine Therapie erfolgen sollte und welche Medikamente geeignet sind.

Bei bereits stattgehabten Wirbelkörperbrüchen, die ohne Sturz oder größere Krafteinwirkung entstanden sind, wird im allgemeinen rasch eine Therapie begonnen, da das Risiko für Folgebrüche gerade in den ersten Monaten und Jahren sehr hoch ist.

Neben den Ergebnissen der Knochendichtemessung (T-Werte) wird immer auch berücksichtigt, ob weitere Risikofaktoren (z. B. Cortisontherapie) vorliegen. Je mehr Risikofaktoren bestehen, desto großzügiger wird die Indikation zur medikamentösen Behandlung gestellt.