Fibromyalgiesyndrom

Fibromyalgie ist eine Schmerzerkrankung, die hauptsächlich Muskeln und Sehnenansätze betrifft, häufig aber auch mit Beschwerden anderer Körperbereiche einhergeht. Die Ursachen der Krankheit sind bisher nicht eindeutig geklärt, jedoch ist bekannt, dass psychische und soziale Faktoren an der Krankheitsentstehung beteiligt sind. In der Behandlung haben sich multimodale Ansätze mit ärztlicher Betreuung, Patientenschulung, physiotherapeutischen und physikalischen Maßnahmen sowie psychologischer Behandlung (v. a. Verhaltenstherapie) bewährt.

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Das Fibromyalgiesyndrom ist eine Schmerzerkrankung, die vor allem die Muskeln und Sehnenansätze verschiedener Körperregionen betrifft. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung leiden die Patienten meist schon seit Jahren oder Jahrzehnten an Schmerzen, die sich auf immer mehr Körperbereiche ausdehnen. Bei der körperlichen Untersuchung fallen in vielen Fällen bestimmte schmerzhafte Druckpunkte (sog. tender points) an genau definierten Körperstellen auf. Diese sind aber nicht allein beweisend für das Vorliegen einer Fibromyalgie.

Die Patienten beklagen zudem häufig spontan wechselnde Schmerz- „schwerpunkte“ im Körper. Hinzu kommen vegetative und funktionelle Symptome: Dazu zählen z.B. Störungen im Magen-Darm-Bereich (Verstopfung, Durchfall, Blähungen), Herz-Kreislauf-Probleme (Herzrasen, Schwindel), Kloßgefühl im Hals, Zittern, kalte Hände, verstärktes Schwitzen. Viele Patienten fühlen sich müde und abgeschlagen und können sich schlecht konzentrieren. Außerdem haben sie Schwierigkeiten, ein- und durchzuschlafen. Viele Betroffene sind auch seelisch belastet: Sie fühlen sich deprimiert, leiden unter Ängsten und fühlen sich überfordert.

Medizinische Ansätze konnten das Krankheitsbild des Fibromyalgiesyndroms bislang noch nicht eindeutig klären. Bei vielen Patienten wurden Veränderungen im Nervensystem sowie im Hormonstoffwechsel festgestellt. Auch genetische Einflüsse scheinen eine Rolle zu spielen. Doch ist bisher nicht genau bekannt, ob und wie weit diese messbaren Veränderungen an der Verursachung der Krankheit beteiligt sind oder nur als Symptom der Erkrankung auftreten. Gemeinsam ist den betroffenen Patienten eine Störung in der Verarbeitung von Schmerzen. Was bei gesunden Menschen als Bagatellschmerz empfunden wird, der nicht oder kaum beeinträchtigt, kann vom Fibromyalgiekranken nicht mehr „gefiltert“ werden. Alle Schmerzimpulse werden als intensiv und quälend empfunden. Neuerdings kann man diese Unterschiede in der Gehirnaktivität als Reaktion auf Schmerzreize sogar bildlich nachweisen, z. B. mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT)

Vieles deutet darauf hin, dass psychische und soziale Faktoren an der Krankheitsentstehung beteiligt sind. Wir wissen, dass seelische Belastungen körperliche Erkrankungen auslösen bzw. begünstigen können. Bekannte Beispiele für sogenannte psychophysiologisch oder psychosomatisch wesentlich beeinflusste Erkrankungen sind Asthma, Migräne oder Magengeschwüre.
Nach neueren Erkenntnissen spielen psychische Faktoren für die Entstehung und den Verlauf jeder Erkrankung eine wichtige Rolle. Auch wenn sie nicht die alleinige Ursache sind, können sie darüber entscheiden, ob eine Krankheit zum Ausbruch kommt und wie sie verläuft.
Anscheinend besitzen Fibromyalgie-Patienten eine biologische (u.a. genetische) Disposition für diese Erkrankung. Auch psychische Faktoren wie eine Neigung zu Depressivität und ein Gefühl der Hilflosigkeit und Abhängigkeit begünstigen das Auftreten der Fibromyalgie. Schwierige Lebenssituationen (z.B. beruflicher oder familiärer Stress) können dann zum Ausbruch bzw. zur Verschlimmerung der Beschwerden führen.

In der Behandlung der Fibromyalgie haben sich sogenannte multimodale Therapiekonzepte bewährt. In den meisten Fällen kann diese Therapie ambulant durchgeführt werden.
Unter multimodaler Therapie versteht man eine Kombination verschiedener Behandlungsverfahren unter Einbeziehung von Therapeuten verschiedener Fachrichtungen (u. a. Ärzte, Physio- und Ergotherapeuten, Psychotherapeuten).
Von ärztlicher Seite ist die gründliche Erhebung der Krankheitsgeschichte und eine vollständige körperliche Untersuchung Voraussetzung für die Einleitung einer optimalen Behandlung. Außerdem werden in der Regel einige Blutuntersuchungen durchgeführt, die vor allem dem Ausschluss anderer Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerdebildern dienen. Ihr behandelnder Arzt wird Sie über das Krankheitsbild der Fibromyalgie informieren (optimalerweise im Rahmen einer Patientenschulung) und mit Ihnen die verschiedenen Therapiemöglichkeiten besprechen. Begleitend werden in einigen Fällen auch Medikamente eingesetzt.
Bewegung, optimalerweise regelmäßiges leichtes Ausdauertraining wie Walken, Schwimmen oder Radfahren, sollte zum Behandlungsprogramm jedes Fibromyalgiepatienten gehören. Zusätzlich empfiehlt sich die Kombination mit leichtem Krafttraining unter fachkundiger therapeutischer Anleitung.
Psychotherapeutische Verfahren wie z.B. die kognitive Verhaltenstherapie helfen bei der Bewältigung von psychischen Beeinträchtigungen, wie z.B. Ängsten oder depressiven Verstimmungen. Es handelt sich um eine Form der Psychotherapie, die auf eine Veränderung krankheitsfördernder Denk- und Verhaltensprozesse abzielt. Da Stress die Schmerzen häufig verstärken kann, werden in der Behandlung (Alltags-)Belastungen herausgearbeitet und es wird ein adäquater Umgang mit stressreichen Lebenssituationen erlernt (Stressmanagement). Auch körperorientierte psychotherapeutische Verfahren werden mit Erfolg eingesetzt.
Begleitend können Entspannungsverfahren (wie z.B. die Progressive Muskelrelaxation oder Biofeedback) helfen, zur Ruhe zu kommen und wieder besser schlafen zu können. Auch in belastenden Situationen können diese Techniken dabei helfen, ruhiger zu bleiben und die „stressige“ Situation gelassener zu überstehen.
Im Rahmen der Ergotherapie werden Patienten in Gesprächen und praktischen Übungen geschult, trotz ihrer Erkrankung Alltagstätigkeiten und typische Bewegungsabläufe bewältigen zu können. Durch diese Selbsteffizienzerfahrungen kann ein hohes Maß an Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Lebensfreude erzielt werden – im Sinne bestmöglicher Lebensqualität.
Ganz besonders wichtig für den Behandlungserfolg ist bei der Fibromyalgie – wie auch bei anderen chronischen Schmerzerkrankungen – die Mitwirkung der Patienten. Vieles können Betroffene nach Anleitung in Eigenregie durchführen (z. B. Gymnastik oder Walken, aber auch psychologische Techniken wie z. B. die Definition von Zielen oder das Führen eines Tagebuches). Ärzte und Therapeuten stehen dabei als Ansprechpartner zur Verfügung.