Chronische Rückenschmerzen

Chronische Rückenschmerzen sind in ca. 90% der Fälle nicht auf eine eindeutige, klar umschriebene körperliche Ursache zurückzuführen. Neben medizinischen Faktoren spielen auch psychische und soziale Aspekte bei der Aufrechterhaltung der Schmerzen eine große Rolle. Im Rahmen einer multimodalen Therapie werden medizinische, psychologische sowie physio- und ergotherapeutische Verfahren eingesetzt, um einen nachhaltigen Beschwerderückgang zu erzielen.

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Die Volkskrankheit „Rückenschmerz“ ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom, unter dem fast alle Menschen im Laufe ihres Lebens leiden – die einen selten, die anderen immer wieder und andere über Jahre oder Jahrzehnte andauernd. Betroffene Patienten klagen über Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Für die Planung von Untersuchungen und Behandlungen ist es wichtig, zwischen akuten und chronischen Rückenschmerzen zu unterscheiden. Ursache der akuten Rückenschmerzen ist meistens ein „Verheben“ oder eine ruckartige Bewegung mit Blockierung der kleinen Wirbelgelenke. Akute Rückenschmerzen klingen in der Regel nach kurzer Zeit wieder ab. Wenn der Schmerz in die Beine ausstrahlt, kann dies auf einen Bandscheibenvorfall (Prolaps) oder eine Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) hinweisen – Ihr Arzt wird diesen Symptomen zunächst durch eine gründliche körperliche Untersuchung nachgehen, ggf. auch weitere Untersuchungen veranlassen.
Problematisch wird es, wenn die Rückenschmerzen länger als 3-6 Monate anhalten. Wir sprechen dann von chronischen Rückenschmerzen. Im Laufe dieser Zeit verselbstständigt sich das Krankheitsbild und es entsteht eine eigenständige Schmerzkrankheit mit Verstimmungszuständen und Störungen im zwischenmenschlichen Bereich.
Nur bei 10% aller Rückenschmerzpatienten lassen sich eindeutige körperliche Ursachen nachweisen, z. B. Bandscheibenvorfälle mit neurologischen Ausfällen, Infektionen, ausgeprägte degenerative Veränderungen, Deformitäten oder Tumoren. In diesen Fällen steht die medizinische Behandlung im Vordergrund. Dabei werden die organmedizinischen Ursachen behandelt. So wird ein Patient mit einem Bandscheibenvorfall und Blasen- oder Darmentleerungsstörungen sofort operiert. Bei einer Infektion werden Antibiotika eingesetzt. Glücklicherweise sind diese Krankheitsfälle selten. In den meisten Fällen (90 %) handelt es sich um unspezifische Rückenschmerzen, die sich nicht eindeutig auf körperliche Veränderungen zurückführen lassen. Neben medizinischen Ursachen spielen psychische Risikofaktoren bei der Aufrechterhaltung der Schmerzen eine wesentliche Rolle: z.B. psychosoziale Überforderung, Stressfaktoren, Depression und Angstzustände.
Die besten Erfolge verspricht eine Therapie, die sowohl körperliche als auch psychische und soziale Faktoren der chronischen Schmerzerkrankung berücksichtigt. Bewährt haben sich insbesondere sogenannte multimodale Therapiekonzepte, die folgende Bausteine beinhalten:
– Medizinische Therapie
– Patientenschulung
– Physiotherapie und physikalische Therapieverfahren
– Ergotherapie,
– Psychotherapeutische Verfahren wie z. B. die (kognitive) Verhaltenstherapie oder körperorientierte Therapieverfahren
– Entspannungsverfahren (z. B. Progressive Muskelentspannung)
– Ggf. spezielle Injektionen (Spritzen) und Röntgen- oder CT-Kontrolle
Entscheidend für den Behandlungserfolg ist bei chronischen Rückenschmerzen – wie auch bei anderen chronischen Schmerzerkrankungen – die Mitwirkung der Patienten. Vieles können Betroffene nach Anleitung in Eigenregie durchführen (z. B. Gymnastik, Walken, Schwimmen und auch psychologische Techniken). Wir sprechen in diesem Zusammenhang von Selbstmanagement. Wichtig ist, dass Ärzte und Therapeuten als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.