Chronische Polyarthritis

Die chronische Polyarthritis oder rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Erkrankung der Gelenke, die zu schmerzhaften Schwellungen und Funktionseinschränkungen führt. Die Diagnose wird im allgemeinen durch einen Rheumatologen gestellt, der den Gelenkstatus erhebt und weitere Untersuchungen durchführt. Die rheumatoide Arthritis wird kombiniert mit Physiotherapie und speziellen Medikamenten behandelt, die vom Rheumatologen überwacht werden. Manchmal sind Operationen notwendig.

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Die chronische Polyarthritis oder rheumatoide Arthritis ist eine relativ häufige entzündlich-rheumatische Gelenkerkrankung. In Deutschland ist ca. 1% der Bevölkerung betroffen. „Chronisch“ bedeutet länger als 6 Wochen, „Poly“ viele, „Arthros“ Gelenk und „-itis“ Entzündung. Durch Entzündungen der Gelenkinnenhäute mit Flüssigkeitsansammlungen werden Knorpel und knöcherne Strukturen angegriffen. Es entstehen schmerzhafte Gelenkschwellungen mit Morgensteifigkeit und Bewegungseinschränkungen. Letztlich kann es zu Gelenkverformungen und Behinderungen kommen. Bei manchen Patienten sind auch innere Organe, Blutgefäße oder die Augen betroffen.
Was im Verlauf der chronischen Polyarthritis passiert, ist zwar in den letzten Jahren gut erforscht worden, aber die Ursachen konnten bislang nicht abschließend geklärt werden. Genetische Faktoren, das heißt eine Veranlagung, und vorausgegangene Infekte spielen eine Rolle. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, häufig liegt der Erkrankungsbeginn im mittleren Lebensalter zwischen 35 und 45 Jahren. In Phasen der hormonellen Umstellung, wie nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren, treten Neuerkrankungen gehäuft auf.
Die Erkrankung beginnt manchmal schleichend, häufiger aber „von heute auf morgen“. Schubweise treten schmerzhafte Schwellungen, nächtliche Schmerzen und Morgensteifigkeit von Hand-, Finger-, Schulter-, Knie- und Zehengelenken auf. Auch das Allgemeinbefinden kann beeinträchtigt sein.
Zunächst sollte eine eingehende ärztliche Untersuchung erfolgen. Dabei wird der Patient ausführlich zu seinen Beschwerden und verschiedenen Begleiterscheinungen befragt. Es folgt eine umfassende körperliche Untersuchung, in der die Gelenkbeweglichkeit, Ausmaß und genaue Lokalisation von Schwellungen und Druckschmerzen festgestellt werden. Auch Gelenkfehlstellungen werden festgehalten. Ergänzend werden Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen durchgeführt. Spezielle Laboruntersuchungen können die Diagnose sichern und andere Erkrankungsursachen ausschließen. Der sogenannte Rheumafaktor findet sich jedoch nur bei etwa zwei Drittel der Patienten mit chronischer Polyarthritis. Bei ausgeprägten Gelenkergüssen (Flüssigkeitsansammlungen in den Gelenken) ist eine diagnostische und therapeutische Punktion (Flüssigkeitsentnahme zur Entlastung und zur Untersuchung in einem Labor) sinnvoll.
Wichtige Therapieverfahren sind physikalische Therapie wie z. B. Kälte-/Wärmetherapie, Elektrotherapie, Krankengymnastik und Ergotherapie. Gegen Schmerzen und Entzündung werden allgemeine Rheumamittel (sog. NSAR, z. B. Diclofenac oder Ibuprofen) verordnet. Cortison wird in Tablettenform oder auch direkt ins Gelenk als Spritze gegen Entzündung eingesetzt. Die Erkrankung an sich kann durch langwirksame Rheumamittel (sogenannte Disease-modifying antirheumatic drugs, DMARD) aufgehalten werden. Diese Medikamente, zu denen z. B. Gold, Methotrexat (MTX), Sulfasalazin und Antimalariamittel gehören, sollten von einem erfahrenen Rheumatologen je nach individuellem Krankheitsverlauf und Begleiterkrankungen ausgewählt und überwacht werden. Seit einigen Jahren sind mit den sogenannten „Biologika“ neue Medikamente hinzugekommen, mit denen bei einigen Patienten gute Erfolge erzielt werden können. Besonders stark entzündete Gelenke profitieren von einer chemischen oder radiologischen Verödungsbehandlung (= Synoviorthese). Auch arthroskopische oder offene Operationen zur Entfernung der entzündeten Gelenkinnenhaut und z.B. Knorpelglättung oder Gelenk- und Sehnenrekonstruktion finden Anwendung. In besonderen Fällen ist künstlicher Gelenkersatz (= Endoprothese) erforderlich.
Wichtig ist, dass Sie selbst gut über Ihre Erkrankung Bescheid wissen. Strenge Diäten bringen oft keine Besserung. Sinnvoll ist, ein bis zwei Mal pro Woche Fisch zu essen, den Fleischkonsum einzuschränken und ausreichend frisches Gemüse und Milchprodukte zuzuführen. Regelmäßige Bewegung ist wichtig. Unter fachlicher Anleitung und in einer Gruppe gelingt es leichter, sich regelmäßig zu motivieren und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.